Heute möchte ich Ihnen Sigrun vorstellen, die im Glöggele in Dornbirn die „yoga-akademie – Sigrun Sonnweber“ betreibt. Auch sie gehört auch zu den Glücklichen, die es geschafft haben, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Wie bei allen, die diesen Schritt erfolgreich gemeistert haben, spürt man bei ihr eine wahre Leidenschaft für alles, was sie tut. Geld ist zwar lebensnotwendig, aber nicht das primäre Ziel. Ich finde es sehr schön, dass es heutzutage noch möglich ist, solche Menschen zu finden, und wünsche Ihnen viel Spaß und Inspiration beim Lesen des Interviews mit Sigrun.

Würdest du dich kurz vorstellen?

Mein Name ist Sigrun Sonnweber. Ich bin im Jänner 1969 in Hohenems geboren. Ich habe zwei schon fast erwachsene Söhne im Alter von 19 und 17 Jahren.

Wie war dein beruflicher Werdegang?

Mein erlernter Beruf ist Bürokauffrau. Als meine Kinder noch kleiner waren habe ich alles Mögliche gemacht von Stundenweise Regalbetreuung im Einzelhandel bis zur Altenbetreuung.


Hast du dein Hobby zum Beruf gemacht? Wie kam es dazu?

Ja, das war alles einfach ein glücklicher Zufall … Ich habe ein Inserat in der Zeitung über einen Yogakurs entdeckt und habe mich kurz entschlossen angemeldet. Schon nach dem ersten Abend habe ich gespürt, dass Yoga eine ganz besondere Wirkung auf mich hat, die ich aber nicht erklären konnte, es hat mich einfach fasziniert. Ich bin dann jeden Morgen eine Stunde früher aufgestanden, um meine Übungen zu machen. Es war einfach ein inneres Bedürfnis. Ja, und wie das Leben so spielt, habe ich mich in meinen Yogalehrer verliebt und wir wurden für neun Jahre ein Paar. Mein Partner hat dann auch damit begonnen, Yogalehrerausbildungen zu veranstalten. Ich habe ihm dabei assistiert, und so sehr viele Erfahrungen sammeln dürfen. Neben der Yogalehrerausbildung bei meinem damaligen Partner Elmar Eisele habe ich dann noch eine für mich sehr entscheidende dreieinhalbjährige Yogalehrer Ausbildung bei Dona Holleman gemacht. Dona Holleman ist die Begründerin des „Centered Yoga“, lebt in Nord-Italien und ist eine der inspirierendsten Persönlichkeiten des modernen Yoga. Sie war eine der ersten Europäerinnen die bei B. K. S. Iyengar in den 60er Jahren dessen dynamischen Yoga Stil praktizieren lernte. Viele heute noch aktive „Iyengar Yoga LehrerInnen“ der ersten Stunde haben bei ihr gelernt. Die intensive Ausbildung bei Dona hat meine persönliche Yogapraxis transformiert und auf eine ganz neue Ebene gebracht. Dona hat mir Yoga auf eine so tiefe und ganzheitliche Weise gelehrt, wie ich es vorher noch nie gekannt hatte. Es ist mir ein ganz großes Anliegen, und ich spüre auch eine innere Verpflichtung, die Schätze die ich von Dona Holleman bekommen habe, weiterzugeben und diese für mich sehr ganzheitliche Art Yoga, praktizieren zu lehren. Meinen ersten Yogakurs habe ich in Dornbirn im Jahr 2003 gegeben. Als ich mich dann vor vier Jahren selbstständig gemacht habe, habe ich auch die Kurse von Elmar in Bregenz und Feldkirch, bei denen ich in all den Jahren auch oft unterrichtet hatte, zur Gänze übernommen. Es war aber natürlich kein leichter Schritt, da ich schon auch so meine Unsicherheiten hatte, ob das dann auch alles so klappt. Ich hatte mir auch überlegt, noch eine weitere Ausbildung als Kindergartenpädagogin zu machen, um so ein zweites Standbein zu haben. Aber irgendwie hat das alles nicht sein sollen, und so bin ich dann eben gesprungen … Letztes Jahr im Oktober hatte ich dann die tolle Gelegenheit, meinen schon lange gehegten Wunsch, mein eigenes Yogastudio zu mieten, zu verwirklichen. Es befindet sich im Hämmerle Areal direkt im Glöggelehaus und es macht mir sehr großen Spaß dort zu unterrichten, aber auch privat den schönen Raum zu nutzen. Natürlich habe ich noch die zwei Orte Bregenz und Feldkirch an denen ich Yogakurse anbiete.

Wie war es bei dir hinsichtlich Unterstützung von Partner, Familie und Freunden?

Ich hatte große Unterstützung von allen Seiten. Auch meine Yogaschüler waren mir immer eine große Unterstützung, von denen ich sehr viel gelernt habe und weiterhin lerne.

Wie schaffst du es, nicht den Spaß an deinem Hobby zu verlieren, wenn du es beruflich machst?

Indem ich immer wieder Neues mache. Wie zum Beispiel der Aufbaukurs II den ich seit Jänner 2012 anbiete. In diesem Kurs kann ich sehr kreativ sein und auch anspruchsvollere Übungen lehren, was mir sehr großen Spaß macht. Auch in den anderen Kursen mache ich immer wieder neue Übungsprogramme, so dass es nie langweilig wird.


Wie war es bei dir in der Anfangsphase? Wie hast du es geschafft, von deiner Idee leben zu können?

Ich habe 2003 den ersten Kurs angeboten und habe zu dieser Zeit teilzeitmäßig im Büro gearbeitet. Es war also nebenberuflich. Als vor vier Jahren die Gelegenheit im Raum stand, die Orte Bregenz und Feldkirch zu übernehmen, war es schon eine innere Hürde, die Arbeit im Büro zu kündigen, um mich ausschließlich aufs Yoga zu konzentrieren. Aber es war wie es scheint mein Weg, alle anderen Ideen hatten nicht funktioniert.

Viele Menschen, die ihr Hobby zum Beruf machen, verdienen zwar weniger, sind dafür aber glücklicher. Wie ist das bei dir?

Also ich gehöre sicher nicht zu den Großverdienern und das war auch nie mein Ziel. Ich bin jedoch sehr dankbar, dass ich doch von Yoga leben kann. Das besonders Schöne ist auch, dass ich meine Erfahrungen teilen kann. Ich glaube, dass man durch das Lehren selbst am meisten lernen, und wahrscheinlich nur durch das miteinander wirklich wachsen kann. Alleine bewegt man nur sehr wenig, aber immer wenn man sich öffnet und gibt, kommt sehr viel zurück. Und vor allem es entsteht so immer wieder Neues – das fasziniert mich immer wieder.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Da ich meine Kurse nur abends mache, habe ich tagsüber frei. Ich habe somit genug Zeit, die Kurse vorzubereiten, E-Mails zu beantworten und so weiter. Und was für mich auch sehr wichtig ist, ich habe auch Zeit für meine eigene Yogapraxis, die neben den Asanas (Körperhaltungen) und Pranayamas (Atemübungen) auch Meditation und Mantrasingen beziehungsweise rezitieren beinhaltet.

Was fasziniert dich an deiner Arbeit?

Ich hatte als junge Frau schon das Bedürfnis, etwas für mich Sinnvolles zu tun. Als dann Yoga in mein Leben kam, habe ich bald gespürt, dass es das war, was ich suchte. Es macht mich einfach glücklich, wenn Menschen entspannter und gelöster, aber auch innerlich gefestigter nach Hause gehen. Mich fasziniert auch immer wieder die Herausforderung, der wir uns durch das Yoga immer wieder stellen. Ich weiß auch, dass es nicht nur Körperübungen sind, die wir „meistern“, sondern es in alle Ebenen unseres Seins hineinwirkt. Das ist oft sicht- und spürbar – das begeistert und motiviert mich.

Wie sehen deine Aufstiegsmöglichkeiten aus?

Ich weiß nicht, ob es in dem Sinne Aufstiegsmöglichkeiten gibt, außer dass man vielleicht berühmt wird. Über das denke ich aber nicht wirklich nach. Das Schöne ist sicher, dass ich meinen Beruf überall auf der Welt ausüben kann, auch wenn ich dann mal ganz alt bin.



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Wo siehst du deine persönlichen Stärken?

Zum einen meine persönliche Begeisterung und Liebe fürs Yoga. Ich bin, glaube ich, sehr undogmatisch und lasse viel Raum für Individualität, sodass jeder Teilnehmer dort wo Er/Sie im Moment gerade ist, sein kann, soll und darf. Freiheit ist für mich ein hoher Wert, wenn ich aber spüre, dass der eine oder andere etwas Motivation braucht, um eine Hürde zu nehmen, unterstütze ich das sicher gerne.

Denkst du, dass du härter arbeiten musst, als festangestellte Kollegen?

Nein, ich denke es ist einfach anders. Was mir allerdings fehlt, ist die Sicherheit, die man in einem fest angestellten Arbeitsverhältnis einfach hat. Hier darf ich Vertrauen und das „Go with the flow“ üben.

Wenn du noch einmal ganz von vorne beginnen müsstest, würdest du es wieder tun?

Oh ja!

Was würdest du anders machen?

Ich habe mittlerweile großes Vertrauen in das Leben, beziehungsweise das Göttliche gewonnen und ich weiß in meinem Herzen, dass jeder einzelne Schritt wichtig und richtig war – ich würde nichts anders machen.

Wie sorgst du für den notwendigen persönlichen Ausgleich vom beruflichen Stress?

Das ist das wirklich Schöne – ich habe keinen Stress und das Unterrichten entspannt und macht mich glücklich.


Was sind deine persönlichen Träume und Visionen?

Ein großer Traum ist mit dem eigenen Yogastudio in Erfüllung gegangen. Ein aktueller Traum ist es, den Kailash in Tibet zu umrunden. Das ist ein ganz besonderer und heiliger Berg, und es muss eine große Gnade und ein unbeschreibliches Gefühl sein, in diesen Kraftort mit seiner heiligen und transformierenden Energie Shivas, eintauchen zu dürfen. Ich träume im Moment davon, im Sommer 2013 diese innere und äußere Reise anzutreten. Natürlich habe ich die Vision, immer weiter auf dem Yogapfad zu wandern und immer tiefere und neue Erfahrungen zu machen. Auch ist die Gottessuche für mich ein großes Thema, und Yoga ist für mich ein Weg, das göttliche Selbst zu finden und somit auch Gott.

Hast du ein Motto, das dich das Leben über begleitet und das du unseren Lesern mit auf den Weg geben möchtest?

Ja, bleib dir selbst treu und mache die Dinge die dir am Herzen liegen. Das heißt stemm dich nicht gegen Türen, die verschlossen sind, sondern nimm die offenen Türen und widme dich mit Hingabe dem, was das Leben dir schenkt. Auch wenn das heißt, Herausforderungen zu meistern und innere und äußeren Hürden und Widerstände zu überwinden.

Vielen Dank für das Interview und die Unterstützung, Sigrun. Ich wünsche dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg.