Manchmal, wenn mir in meinem Arbeitszimmer die Decke auf den Kopf fällt und nichts mehr voran zu gehen scheint, dann nehme ich Papier und Stift, manchmal auch den Laptop, und gehe damit in ein Café. So eine kleine räumliche Veränderung wirkt oft wahre Wunder.

Mmanch jemand wird jetzt einwenden, in einem Café wäre es viel zu laut und die Ablenkung zu groß. Aus meiner eigenen Erfahrung kann ich jedoch sagen, meine schlimmste Ablenkung bin ich selbst, und zwar wenn ich damit beginne, meine E-Mails abzurufen, weil je etwas Wichtiges dabei sein könnte, wenn ich im Internet surfe oder, und das ist der schlimmste Zeitfresser, mich auf Social-Media-Seiten aufhalte. Um diesen Ablenkungen zu entgehen bin ich gerne völlig analog, nur mit Papier und Stift unterwegs und schalte mein Telefon ab. Jetzt bin ich einfach einmal für zwei Stunden für niemanden erreichbar und das ist auch gut so.

Die kleinen Tische sind gerade groß genug, dass ich mich mit meinen Schreibutensilien darauf ausbreiten kann. Vor mir steht ein großes Glas Latte Macchiato, es duftet herrlich nach Kaffee und im Hintergrund ertönt leise Lounge-Musik. Grob geschätzt ist etwa jeder zweite Tisch besetzt. Zwei junge Mütter unterhalten sich bei einem Tee, ein älterer Herr, vermutlich Rentner, liest die Zeitung und bestellt gerade seine zweite Tasse Kaffee, während an anderen Tischen Studenten der nahe gelegenen Fachhochschule sitzen und sich unterhalten. Am Tisch in der Ecke sitzt einer und trinkt ein Bier – manche tun das eben schon am Vormittag. Die Kellnerin und ihr Kollege sind hinter dem Tresen beschäftigt. Sie scherzen, unterhalten sich mit den wenigen Gästen und lesen diesen nahezu jeden Wunsch von den Augen ab. Inzwischen kennt man mich hier, denn ich bin der einzige, der in diesem Café schreibt. Auch die blöden Witze, ob ich denn für die Schule eine Strafe schreiben müsse, haben aufgehört. Dass ich weder Schüler noch Student bin, lässt sich recht treffsicher aus meinem Alter schließen, selbst wenn man nur grob schätzt.

Ich nutze das Café nicht nur, um mich zum Schreiben zurückzuziehen, ich treffe dort auch Kunden zu Besprechungen. Es ist so etwas wie eine Büro-Außenstelle geworden, die mir sehr wichtig ist. Viele Ideen und viele Aufträge sind bereits vor einer duftenden Tasse Kaffee zustande gekommen, unzählige Seiten habe ich auf diese Weise bereits geschrieben.

Manchmal, besonders im Sommer, kann es sein, dass man von anderen Gästen angesprochen wird. Meistens sind es Frauen, die sich dafür interessieren, was jemand tut, der über Stunden Seite um Seite schreibt und Kaffee trinkt, während andere sich unterhalten und sich ein nachmittägliches Bierchen gönnen. Daraus haben sich schon recht interessante Gespräche entwickelt mit Journalistinnen, Autorinnen und solchen, die es gerne werden möchten.

Ich glaube, meistens ist es gerade dieser Szenenwechsel in eine lockere und ungezwungene Umgebung, verbunden mit einem kurzen Spaziergang hin und zurück, der für den Schreibprozess sehr förderlich sein kann. Natürlich möchte ich nicht ausschließlich in Cafés arbeiten, trotzdem möchte ich auf diese Möglichkeit auch keinesfalls verzichten.

Mir ist es dabei auch völlig egal, dass die meisten meiner Bekannten und Freunde das nicht für Arbeit halten und dafür höchstens ein müdes Lächeln übrig haben, schließlich muss echte Arbeit ja unangenehm und schweißtreibend sein, und zumindest realistische Aussichten auf einen Herzinfarkt bieten. Na ja, ich sehe das einfach anders und es funktioniert auch. Am besten macht einfach jeder das, was seiner Meinung nach für ihn das Beste ist.