Zahllose Menschen träumen von einem Leben als Schriftsteller. Wenn Sie das hier lesen, gehören Sie wahrscheinlich auch zu dieser illustren Runde. Nur wenige setzen diesen Wunsch wirklich in die Tat um, und nur ein Bruchteil davon ist auch zumindest so erfolgreich, um davon leben zu können. Es ist nicht leicht, aber es lohnt sich, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen – weniger finanziell als vielmehr hinsichtlich der damit verbundenen Lebensqualität.

Kkürzlich erzählte mir jemand, die vierzehnjährige Tochter einer Freundin wolle unbedingt Schriftstellerin werden. Natürlich sehen die Eltern das mit einer gewissen Skepsis, denn sie wollen schließlich nur das Beste für ihr Kind und bestehen deshalb darauf, dass das Mädchen erst eine Ausbildung macht, bevor sie sich dem Schreiben widmet. Irgendwie war ich sehr froh darüber, in diesem Gespräch nicht um meine Meinung gefragt worden zu sein.

Ehrlich gesagt bin ich bei solchen Fragen immer etwas zwiegespalten. Was mich persönlich betrifft, ist Schreiben das einzige, was ich wirklich tun möchte. Ich liebe das Schreiben und ich kann es mir gar nicht mehr vorstellen, nicht in dieser Freiheit und Unabhängigkeit zu leben, die mir unglaublich viel an Lebensqualität bringt. Ich würde dabei sogar so weit gehen, zu behaupten, mein richtiges Leben hat erst mit der Kündigung als Angestellter begonnen. Das alles hat natürlich auch seine Schattenseiten, hauptsächlich finanzieller Natur, die man nicht unterschätzen darf.

Was rate ich also jemanden, der an mich herantritt mit dem Ansinnen, beruflich schreiben zu wollen? In den meisten Fällen wahrscheinlich: „Tu es nicht!“ – das ist nicht wirklich glaubwürdig von jemandem, der behauptet, Schreiben wäre der schönste Beruf überhaupt, finden Sie nicht auch? Trotzdem meine ich das ehrlich und ohne egoistischen Hintergedanken.

Ich bin der Meinung, dass grundsätzlich jeder Mensch schreiben kann, und dass es jeder versuchen sollte, der sich ernsthaft dazu berufen fühlt. Es ist jedoch ein langer und steiniger Weg, nichts für Leute, die nicht so genau wissen was sie wollen.

Vom Schreiben leben

Vom Schreiben leben zu wollen ist ein sehr ehrgeiziges Ziel. Viele sehen nur die berühmten Schriftsteller, Autoren und Journalisten, die mir ihrer Arbeit gutes Geld verdienen. Dass der weitaus größere Anteil der Schreiber regelmäßig mit Existenzängsten zu kämpfen hat, ist weniger offensichtlich, denn über sie wird nicht in den Medien berichtet.

Mir war es von Anfang an klar, dass nur die wenigsten alleine vom Schreiben leben können und ein verschwindend geringer Bruchteil davon mit Schreiben sogar reich wird. Wenn es mir also nur darum ginge, viel Geld zu verdienen, wäre Schreiben das Letzte, was ich tun dürfte. Warum tue ich es also trotzdem?

Das liegt ganz einfach daran, dass finanzieller Wohlstand und Konsum nicht das sind, was ich mir unter einem erfüllten Leben vorstelle. Ich möchte meine wertvolle Lebenszeit mit etwas verbringen, was mir am Herzen liegt, was ich gerne tue, was mich begeistert, was ich gut kann und was es mir ermöglicht, ein Leben außerhalb des Hamsterrades zu führen. Auch ich habe Rechnungen zu bezahlen, da ich aber recht sparsam und genügsam bin, ist das nur sehr selten ein Problem.

Kein reines Schriftstellerdasein

Wenn ich sage, dass ich vom Schreiben lebe, dann bedeutet das keineswegs, dass ich das Klischee eines Schriftstellers erfülle, der Bücher schreibt und damit Geld verdient (oder auch nicht). Da ich bei dieser Entscheidung recht genau wusste, was auf mich zukommt, denn auch ich kenne einen hauptberuflichen Autor persönlich, der mir damals riet: „Tu es nicht!“, habe ich mich in meinem schreiberischen Angebot möglichst breit aufgestellt und bezahle meine Rechnungen über Auftragsarbeiten, die ich als Ghostwriter, Autor, Texter und Journalist für meine Kunden mache. Das ist natürlich nicht ganz so schön, wie als Schriftsteller seine eigenen Gedanken kreativ zu Papier zu bringen, aber für mich ist es in Ordnung – das Eine schließt das Andere ja nicht aus, ganz im Gegenteil, es befruchtet sich.

Schreiben ist Arbeit

Sich hinzusetzen und sich zu wünschen, irgendwann ein Buch zu schreiben (natürlich ein Bestseller) reicht nicht aus, um Schriftsteller zu sein. Sehr viele Menschen können hervorragend schreiben, tun es aber nicht. Schreiben ist ein mächtiges Instrument, ein Werkzeugkasten, dessen Regeln man beherrschen muss, um sie auch hin und wieder gewollt brechen zu können, eine Handwerkskunst, die in in hohem Maße erlernbar ist, aber regelmäßig gepflegt und geübt werden muss, um nicht einzurosten.

Jeder, der mit dem Gedanken spielt, seinen Lebensunterhalt mit Schreiben zu bestreiten, sollte es auch täglich tun. Würden Sie sich jemals überlegen Berufsmusiker zu werden, wenn Sie nicht bereit wären, täglich auf Ihrem Instrument zu üben? Höchstwahrscheinlich nicht, und ganz ähnlich ist es auch mit dem Instrument des geschriebenen Wortes. Gute Autoren tun vor allen Dingen eines: sie schreiben, und zwar täglich.

Lesen, lesen, lesen …

… und nochmal lesen ist eine weitere Grundvoraussetzung für alle, die sich ernsthaft mit dem Schreiben beschäftigen wollen. Interessanterweise hört man immer wieder von Leuten, die davon träumen Schriftsteller zu werden, dass sie keine Zeit hätten, Bücher zu lesen. Sie würden sich ihre Inspiration aber durch regelmäßiges Fernsehen aneignen.

Ich kann Ihnen sagen, das ist völliger Unsinn. Wenn Sie nicht bereit sind, zu lesen, sich den geschriebenen Arbeiten von Profis und Ihren Vorbildern zu widmen, dann wollen Sie im Grunde genommen auch nicht Schreiben. Verschwenden Sie also nicht Ihre Zeit damit und überlegen Sie sich etwas anderes. Schriftsteller, die statt zu lesen fernsehen, sind wie Musiker, die statt zu üben Radio hören.

Sie können aus den Büchern anderer sehr viel lernen, sowohl wie man etwas machen kann, als auch wie man es vielleicht besser nicht machen sollte. So unterschiedlich die Persönlichkeiten erfolgreicher Autoren auch sein mögen, sie haben eines gemeinsam: Sie alle haben sehr viel gelesen und tun es noch immer.

Aller Anfang ist schwer

Da es für Autoren zwar Ausbildungen gibt, keine von diesen aber vorgeschrieben ist, kann sich im Grunde genommen jeder Schriftsteller oder zumindest Autor nennen. Nur ist es damit alleine noch lange nicht getan, denn vermutlich wollen Sie ja schreiben, veröffentlichen und auch gelesen werden.

Vor vielen Jahren suchte ich deshalb den Kontakt zu Menschen, die ihre Texte veröffentlichen, und befragte diese, wie man das nach ihrer Erfahrung am besten anstellt. Der Konsens war einheitlich: Man braucht in erster Linie sehr viel Zeit und muss sehr viel schreiben. Die meisten empfahlen mir, mir einen „Brot-Job“ zu suchen, der mein Einkommen sichert, während ich daran arbeite, als Autor Fuß zu fassen. Dieser Ratschlag ist wahrscheinlich der wertvollste von allen, die ich bekam. Nur die wenigsten schaffen es, auf Anhieb einen Bestseller zu schreiben. Es kommt vor, aber man sollte von dieser Möglichkeit realistischerweise nicht unbedingt ausgehen.

Ich habe das für mich so gelöst, dass auch dieser „Brot-Job“ mit dem Schreiben zu tun hat und ich trotzdem nicht meine Zeit als Angestellter in einem Büro absitzen muss, um ein Einkommen zu haben. Ich begann, als freier Journalist zu arbeiten, erweiterte dies dann mit PR-Arbeit und zuletzt mit Ghostwriting, was mir sehr viel Freude macht.

Als Ghostwriter schreibe ich nun Bücher und mache genau das, was ich eigentlich immer machen wollte. Ich schreibe Bücher, werde dafür bezahlt und die Bücher werden veröffentlicht. Auf keinem der Bücher steht mein Name, das ist das Schicksal eines Ghostwriters, aber damit kann ich sehr gut leben. Wer das nicht kann, sollte die Finger davon lassen und sich andere Möglichkeiten suchen, die besser auf die eigenen Bedürfnisse passen – es gibt sie, man muss nur die Augen offen halten, das müssen Sie als Autor aber ohnehin.