Stephen King empfiehlt angehenden Autoren, mit Tageszielen zu arbeiten. 1.000 Worte pro Tag und einen freien Tag pro Woche, zumindest am Anfang, schlägt er vor. Der Autor verlässt sein Arbeitszimmer nicht eher wieder, als er diese 1.000 Worte zu Papier beziehungsweise auf seine Festplatte gebracht hat.

Iich finde diese Empfehlung sehr gut und arbeite auch selbst danach. Allerdings bin ich der Meinung, dass man beim Festlegen der Wortanzahl für das Tagesziel differenzieren sollte, ob man Hobbyautor ist, der an den Feierabenden und an den Wochenenden schreibt, oder ob man als hauptberuflicher Autor den ganzen Tag dafür zur Verfügung hat. Das liegt ganz einfach daran, dass die Arbeit als Autor nicht ausschließlich aus Schreiben besteht. Relativ viel Zeit benötigt man auch für Recherchen und das Planen von Texten.

Für einen hauptberuflichen Autor ist das alles kein Problem. 1.000 Worte, oder auch um einiges mehr, sind leicht an einem Vormittag geschrieben und er hat dann den ganzen restlichen Tag Zeit, sich um die anderen Dinge zu kümmern, zu lesen, zu recherchieren, zu planen, die Geschichte und ihre Figuren zu entwickeln, einfach alles, was eben so nötig ist.

Für einen Hobbyautor, dessen verfügbare Zeit wesentlich eingeschränkter ist, sieht die Sache schon ganz anders aus. Für ihn ist es eine echte Herausforderung, am Feierabend, müde von der Arbeit, noch sein Tagesziel von 1.000 Worten zu schreiben. Selbst wenn er das eine Weile lang schaffen sollte und eiserne Disziplin an den Tag legt, wird sein Werk darunter leiden. Er schreibt und schreibt, es fehlt im aber völlig die Zeit für den ganzen Rest, der aber unbedingt nötig ist. Wenn man den inneren Schriftsteller überfordert, dann wird er sich irgendwann zurückziehen und seine Dienste verweigern, so lange, bis man ihm die Zeit gibt, die er braucht, ohne ständig nur produzieren zu müssen.

Ich selbst schreibe hauptberuflich und Vollzeit. So sind 1.000 Worte pro Tag überhaupt kein Problem, dafür brauche ich nicht einmal den ganzen Vormittag. Da ich aus dem Journalismus komme, bin ich es auch gewohnt, in Zeichen zu rechnen, statt in Worten. Geht man davon aus, das ein durchschnittliches Wort sechs Zeichen lang ist, dann entsprächen diese 1.000 Worte etwa 6.000 Zeichen. Wenn ich an einem Manuskript arbeite, dann liegt mein persönliches Tagesziel bei 15.000 Zeichen, beziehungsweise bei zehn Normseiten. Das geht bereits etwas über einen Vormittag hinaus, aber es bleibt trotzdem noch genug Zeit, sich noch um die anderen wichtigen Tätigkeiten als Autor zu kümmern und dem inneren Schriftsteller die Zeit zu geben, die er braucht, um nicht auszubrennen.

Natürlich ist das kein Dauerzustand und nur möglich, wenn ich an einem größeren Text, also einem Buch arbeite. Kleinere Texte, wie beispielsweise Magazinbeiträge, PR-Texte oder auch Webseitentexte liegen in ihrem Umfang zwar weit unter dem Tagesziel von 15.000 Zeichen, benötigen aber viel mehr Aufmerksamkeit drumherum. Arbeite ich gerade an kürzeren Einzeltexten für einen Kunden, schaffe ich von diesen pro Tag weit weniger an Zeichen, als das bei einem Buch der Fall wäre. Der Rechercheaufwand ist im Vergleich zur Länge des fertigen Beitrages um ein Vielfaches höher.

Wenn Sie sich also Tagesziele als Autor setzen, dann machen Sie das wie beim Sport. Setzen Sie die Ziele so, dass Sie diese auch auf Dauer gut schaffen können und geben Sie Ihrem Körper, beziehungsweise Ihrem inneren Schriftsteller beim Schreiben, die Regenerationszeit, die er benötigt. Alles Andere endet schon nach kurzer Zeit in Frustration – sowohl beim Sport, als auch beim Schreiben.