Wenn Sie sich dazu entschließen, einen Blog oder eine Internetseite zu betreiben, müssen Sie sich ganz am Anfang für eine Variante entscheiden, wie Sie Ihre Leser ansprechen. Du oder Sie?

Iim Internet ist das allgemeine Du sehr weit verbreitet. Viele halten es für unkomplizierter und persönlicher – oder sie duzen ihre Leser einfach schon deshalb, weil es sich im Internet offenbar so gehört. Trotzdem habe ich mich von Anfang an dafür entschieden, meine Leser mit „Sie“ anzusprechen. Das ist natürlich eine Geschmacksfrage und hängt zudem von Ihren Lesern, also Ihrer Zielgruppe ab. Wer beispielsweise für jugendliche Leser schreibt, kann diese auch getrost duzen, während das andererseits bei Finanzdienstleistern oder ähnlichen Betreibern von Internetseiten doch etwas komisch auf den Leser wirken würde.

Meine Leser, die Besucher meiner Internetseiten und damit meine potentiellen Kunden sind größtenteils erwachsenen Menschen, die mit beiden Beinen im Leben stehen. Ich möchte diesen gerne einen gewissen Respekt entgegen bringen und mache das (unter anderem) mit einer Anrede in der dritten Person. Außer Versicherungsvertretern und Autohändlern kenne ich auch kaum eine Branche, in der man sofort geduzt wird. Ich kenne die meisten meiner Leser ja nicht persönlich.

Ich persönlich nehme es zwar niemandem übel, aber eigentlich mag ich es nicht, wenn ich sofort und ungefragt geduzt werde – egal ob nun im Internet oder im wirklichen Leben. Wenn ich andere Blogs lese, möglicherweise nach Informationen suche und dabei vom Autor gleich mit „du“ angesprochen werde, dann habe ich immer sofort das Gefühl, der schreibt eigentlich gar nicht für mich. Wir kennen uns schließlich nicht und ich bin nicht sein Kumpel. Ich weiß, das ist eigentlich nicht so gemeint und auch sehr gute Blogs sind so geschrieben. Trotzdem mach ich es nicht.

Vielleicht liegt das teilweise auch an meinem Beruf als Autor und Journalist. Niemals würde ich einen Leser in einem Buch oder einem Beitrag für die Medien duzen. Das stimmt für mich einfach nicht. Ich kenne auch kein Medium und auch kein Buch, in dem der Autor die Leser duzt. Ausgenommen vielleicht Kinder- und Jugendbücher, aber als Leser bin ich aus diesem Alter bereits heraus und als Autor schreibe ich so etwas nicht.

Es ist und bleibt deshalb eine Geschmacksfrage. Überlegen Sie sich aber trotzdem gut, wer Ihre Zielgruppe ist und wie diese angesprochen werden möchte. Internet hin oder her, mir ist es egal, über welches Medium meine Leser meine Texte lesen, meinen Respekt verdienen sie überall. Ich persönlich halte dieses grundsätzliche Duzen für eine ganz ähnlich unsägliche Unsitte, wie die allgemeine Kleinschreibung, die sich ebenfalls im Internet eingebürgert hat. Ein kleines Beispiel gefällig?

Gerne, hier ist es:

helft den armen vögeln!