Martin Walker führt den Leser seines Romans in eine der schönsten Regionen Frankreichs, das Périgord, und schafft dabei das Kunststück, in den Fall ein halbes Jahrhundert französischer Kulturgeschichte einzubetten. Bei seinen kulinarischen Schilderungen läuft dem Leser das Wasser im Munde zusammen.

Aalles beginnt ganz gemächlich. Bruno, Chef de police, schlichtet eine Auseinandersetzung bei einer Demonstration vor Ort und und entdeckt Unstimmigkeiten beim lokalen Trüffelmarkt, irgendetwas scheint dabei nicht mir rechten Dingen zuzugehen. Die Ermittlungen plätschern recht lange stressfrei vor sich hin, bis eines Tages ein guter Freund Brunos brutal ermordet wird und der Fall schlagartig von Betrügereien auf dem Trüffelmarkt auf Geheimdienstebene mit involvierten chinesischen Triaden angehoben wird. Parallele Handlungsstränge verstricken sich und daraus wird ein Fall, der fast schon ein bisschen zu groß scheint für die französische Dorfpolizei.

Ich habe diesen Roman sehr gerne gelesen, denn der Autor versteht das Handwerk gelungener Beschreibungen. Wie Martin Walker ein halbes Jahrhundert französischer Kulturgeschichte in seinen Roman einbindet, ohne dass es aufgesetzt wirkt, ist nicht nur recht lehrreich sondern auch spannend und interessant. Martin Walker hat einen langsamen Einstieg in die Geschichte gewählt, und lässt sich diese über fast ein Drittel des Buches entwickeln, bevor der Mord am Freund des Protagonisten den eigentlichen Fall einleitet.

Die einzige Kritik meinerseits bezieht sich auf den Protagonisten, Bruno, den ich etwas zu stereotyp finde. Er ist ein Saubermann ohne jedes Laster. Von ein paar recht harmlosen Problemen mit der Damenwelt abgesehen, ist er ein Vorzeige-Dorfpolizist, der, wenn es nötig ist, auch zum Helden wird und sein Leben für andere riskiert. Das ist natürlich bis zu einem gewissen Grad Geschmackssache, aber ich finde, die eine oder andere Schwäche hätte den Charakter Brunos menschlicher gemacht, für den Leser greifbarer. Leser identifizieren sich viel leichter mit Figuren, die auch ihre Schwächen haben, die zwar gut, aber nicht perfekt sind.

Taschenbuch: 352 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1. (22. Mai 2012)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257241801
ISBN-13: 978-3257241808
Originaltitel: Black Diamond