Wer erfolgreich schreiben und veröffentlichen will, muss sich im Metier auskennen. Deshalb kann kein Autor auf umfassende Leseerfahrung verzichten. Ohne intime Kenntnisse der klassischen und modernen Literatur ist Erfolglosigkeit bei Verlagen und am Markt vorprogrammiert.

Aals Schriftsteller benötigen Sie kein germanistisches Seminarwissen und auch kein Studium der Literaturwissenschaften. Auf wissenschaftliche Abhandlungen können Sie also getrost verzichten. Was Sie aber unbedingt benötigen, sind intime Kenntnisse der Literatur der Vergangenheit und der Gegenwart. Es geschieht häufig unbewusst, aber der angehende Schriftsteller übernimmt daraus das Handwerkszeug für Sprache und Gestaltung. Das ist die Voraussetzung dafür, dass sich ein Schriftsteller den Leseerwartungen des Publikums anpassen und sich mit diesen auseinandersetzen kann. Versuchen Sie dabei aber nicht, jedem Trend hinterher zu laufen, denn nichts ist so schnell eintönig wie der jeweils letzte Schrei.

Was sollte jeder angehende Schriftsteller unbedingt gelesen haben?

Wer erfolgreich schreiben will, sollte sich unbedingt mit der griechischen Mythologie befassen, zumindest hin und wieder. Ihre Figuren und Geschichten sind das Fundament der abendländischen Literatur. Die Dramaturgie der klassischen Tragödie hat sich als wirkungsvollstes Grundmuster des Erzählens durchgesetzt. Auch viele Schreibratgeber vermitteln im Grunde genommen nichts anderes als die Grundregeln, die von den alten Griechen aufgestellt wurden.

Der nächste Klassiker, mit dem sich jeder angehende Schriftsteller immer wieder befassen sollte, ist die Bibel. Nicht aus religiösen oder ideellen Gründen – der Bibel entstammen viele traditionsmächtige Geschichten und Figuren. Es gibt kein anderes Werk der deutschsprachigen Literatur, das so sprachwirksam ist wie die Bibel-Übersetzungen des Martin Luther. Noch heute kann man sich ihrem Reichtum an Bildern, ihrer Rhetorik und ihrem Rhythmus kaum entziehen. Sie ist eine wahre Fundgrube für jeden Schriftsteller. Selbst Wolfgang Hohlbein, der meistgelesene deutschsprachige Fantasy-Schriftsteller, sagt in Interviews immer wieder, seine Inspiration würde häufig aus Geschichten des alten Testaments stammen.

Zudem sollte jeder Schriftsteller die Klassiker und die Werke seines Genres kennen, zumindest die wichtigsten. Damit überblickt er, wenn auch nur Bruchstückhaft, wie und was die Meister von damals geschrieben haben. Von ihnen kann jeder angehende Schriftsteller viel über Figurenzeichnung, Handlungsdramaturgie, Perspektive und sprachlichen Ausdruck lernen. Ich möchte an dieser Stelle nur ein paar der alten Meister nennen, die ich persönlich für sehr hilfreich halte. Davon gibt es natürlich noch sehr, sehr viele mehr.

  • Marcel Proust („Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“)
  • Johann Wolfgang von Goethe
  • Heinrich von Kleist (Erzählungen)
  • Edgar Allan Poe (Erzählungen)
  • Leo Tolstoi („Krieg und Frieden“, „Anna Karenina“)
  • Ernest Hemingway
  • Victor Hugo („Der Glöckner von Notre Dame“)
  • William Shakespeare
  • Charles Dickens
  • Friedrich Nitzsche („Also sprach Zarathustra“)
  • Thomas Mann
  • Franz Kafka
  • und viele andere …

Analysieren Sie Ihre Lieblingsbücher

Reservieren Sie in Ihrem Bücherregal ein eigenes Fach, in welchem nur Ihre Lieblingsbücher stehen, etwa zehn bis zwölf Romane. Lesen Sie diese Bücher alle mindestens einmal im Jahr. Sie werden immer wieder etwas Wertvolles lernen, was Sie bei der vorigen Lektüre übersehen hatten.

Analysieren Sie Ihre Lieblingsbücher und versuchen Sie herauszufinden, wie der Autor es geschafft hat, Sie zu begeistern. Machen Sie sich dabei Notizen. Es gehört auch zum Dasein eines Schriftstellers, kaum noch ein gutes Buch lesen zu können, ohne dabei immer wieder zum Notizbuch zu greifen. Stellen Sie sich die folgenden Fragen und halten Sie die Antworten schriftlich fest:

  • Was hat mich an diesem Buch neugierig gemacht?
  • Wie gelang es dem Autor, mich in die Geschichte hinein zu ziehen?
  • Was fesselt mich an der Geschichte?
  • Warum ist die Geschichte spannend?
  • Wie lenkt der Erzähler meine Aufmerksamkeit?
  • Warum lese ich überhaupt weiter?

Auch Bücher, die Sie nicht begeistern, deren Kauf ein Fehlgriff war, können für Sie als Schriftsteller nützlich sein, denn auch aus den Fehlern anderer können Sie lernen. Machen Sie sich Gedanken über die folgenden Fragen und notieren Sie die Antworten damit Ihnen diese Fehler nicht passieren:

  • Warum langweile ich mich?
  • Was stößt mich ab, was stört mich?
  • Warum will ich nicht mehr weiterlesen?