Ich mag es nicht besonders, wenn im Zusammenhang mit Texten von „Qualität“ gesprochen wird, ganz einfach deshalb, weil der Begriff Qualität in diesem Kontext kaum nichtssagender sein könnte. Was ist denn diese Qualität überhaupt, bezogen auf das Werk eines Autors?

Ggehen wir einmal davon aus, der Autor beherrscht sein Handwerkszeug Orthographie und Grammatik, und der vorliegende Text besteht aus vollständigen und richtigen Sätzen, die nicht mit Rechtschreibfehlern gespickt sind. Wie sieht es nun mit der Qualität dieses Textes aus, ist sie nun sehr gut, mittelmäßig oder schlecht? Wir wissen es nicht. Wer bestimmt überhaupt, was die Qualität eines Textes ausmacht, und was ist es genau?

Mir fällt auf Anhieb ein einziges Qualitätskriterium eines Textes ein: Erfüllt er seinen Zweck? Alles andere ist eine Geschmacksfrage und damit rein subjektiv – wobei der Begriff der Qualität ja eigentlich durch und durch objektiv sein sollte. Ein Werbetext kann noch so genial sein, als Roman ist er nicht zu gebrauchen. Auch die beste Kurzgeschichte aller Zeiten wird es als Pressemitteilung schwer haben. Ein Webseitentext kann noch so viele Besucher anziehen, er wird niemals einen Preis für Lyrik gewinnen. Es geht also in erster Linie darum, wofür ein Text überhaupt geschrieben wurde und ob er diesen Zweck erfüllt.

Und nicht einmal dieser Gesichtspunkt ist ein wirklich objektives Qualitätsmerkmal eines Textes. Im Rahmen seiner Bestimmung, also der Zielgruppe und der Kernaufgabe des Textes, versucht der Autor die Leser anzusprechen. Er wird dabei nie alle erreichen – den einen gefällt es, die anderen finden es schlecht. Wer hat nun recht? Ist der Text gut oder schlecht, oder um beim Thema zu bleiben, wie steht es um seine Qualität? Ist hier Basisdemokratie eine vernünftige Lösungsmöglichkeit? Gefällt er der Mehrheit, ist die Qualität gut, ansonsten nicht? Tausend Fliegen können schließlich nicht irren.

Die Beurteilung der geistigen Leistung eines Autors, Schriftstellers oder Texters ist etwas sehr Subjektives. Was die einen begeistert, finden andere zum Davonlaufen. Beide Seiten haben wahrscheinlich aus ihrer ganz persönlichen Perspektive irgendwie recht, weswegen ich den Begriff Qualität in diesem Zusammenhang für völlig deplatziert halte. Es kommt hinzu, dass das Stichwort „Qualität“ meistens dann fällt, wenn jemand etwas zu meckern hat und versucht, den eigenen Dilettantismus mit großen aber nichtssagenden Begriffen wie Qualität zu verschleiern. Mir missfällt so etwas, wenn einer Geschmacksfrage ein allgemeingültiges Urteil mit dem Hammer der Qualität übergestülpt wird. So etwas können eigentlich nur Menschen tun, die sich selbst für den Mittelpunkt des Universums halten, für einen Maßstab, der für alle zu gelten hat.