Zahllose (Online-) Ratgeber erklären Autoren, wie man die perfekte Überschrift macht. Aber seien wir doch einfach ehrlich, denn im Grunde genommen sind virale Überschriften nichts anderes als das Betteln um Aufmerksamkeit mit leeren Versprechungen. Und trotzdem funktionieren sie bei bestimmten Zielgruppen.

Zzehn Möglichkeiten, wie Sie im Internet reich werden. Drei Schritte zur Traumfigur. Sieben Punkte, die Sie zum Bestsellerautor machen. Drei Fragen, mit denen Sie jeden überzeugen. So oder zumindest so ähnlich klingen die leeren Versprechungen als Überschriften vieler leicht entbehrlicher Texte, deren einziger Zweck es ist, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und einen Klick in den Seitenaufrufstatistiken zu erzeugen, deren Leser hinterher aber genauso wenig reich wie schlank sind, sofern sie es nicht ohnehin schon waren.

Ganz ohne Neid gestehe ich aber ein, das funktioniert. Große Mengen an Personen mit intelligenten Inhalten anzusprechen ist erheblich schwieriger, denn dafür ist die Zielgruppe einfach zu klein. Dieses Konzept ist nicht neu und wird auch in der Politik schon seit langem erfolgreich angewendet – wenn auch in einer etwas abgewandelten Form.

Vielleicht betreiben Sie ja selbst einen Blog oder haben schon einmal versucht, die Aufmerksamkeit in den sozialen Netzwerken auf sich oder Ihr Angebot zu ziehen. Wirklich erfolgreich sind Sie mit diesem Bestreben dann, wenn Sie das Niveau dabei möglichst flach halten. Ich möchte jetzt nicht sagen, je dümmer desto besser, aber in diese Richtung geht es. Sehen Sie sich doch einfach einmal an, welche Beiträge beispielsweise in Facebook die meiste Aufmerksamkeit bekommen. Es sind nicht jene, bei denen sich jemand wirklich Mühe und Arbeit gemacht hat. Vielmehr sind es vermeintlich spektakuläre Dummheiten oder nackte Haut. Womit wir wieder bei den viralen Überschriften wären, bei denen sich jemand wenigstens ein bisschen Mühe gemacht hat, sich dem herrschenden Niveau anzupassen. Wahrscheinlich ist das jedoch für viele gar keine all zu große Anstrengung.

Was ist es aber, was am Ende bleibt? Ein Klick in den Statistiken, auf den man es abgesehen hatte. Und ein unzufriedener Leser, der im Text natürlich nicht das gefunden hat, was ihm in der Überschrift versprochen wurde. Wem der Klick in der Statistik reicht, herzlichen Glückwunsch, Sie haben Ihr Ziel erreicht. Allen anderen möchte ich empfehlen, mit solchen Maßnahmen eher vorsichtig umzugehen, wenn Sie beabsichtigen weiterhin beziehungsweise vielleicht irgendwann einmal ernst genommen zu werden. „Tausend Fliegen können nicht irren“ finde ich einfach ein recht fragwürdiges Motto. Ich persönlich würde mir jedenfalls wünschen, dass Autoren sich mehr auf die Qualität ihrer Inhalte konzentrieren, als auf die Anziehungskraft ihrer Überschriften.