Gute Kurzgeschichten beschränken sich in allem auf das Nötigste. In ihnen herrscht nicht nur eine einzige Stimmung, der Schriftsteller beschreibt darin auch nur ein einziges Geschehnis. Die große Kunst beim Schreiben von Kurzgeschichten liegt für den Schriftsteller darin, alles wegzulassen, was das kleine Werk nicht unbedingt braucht.

Wwas aber ist so Besonderes an diesem Geschehnis? Unter einem Geschehnis verstehe ich hier alles, woran Menschen (oder Gnome, Elfen, Zombies, Vampire – über welche Figuren Sie auch immer schreiben möchten) sinnvoll beteiligt sind und sinnvoll handeln. Dieses Geschehnis ist kein zufälliges Ereignis, an dem Ihre Figuren nur passiv beteiligt sind, oder bei dem überhaupt keine Figuren vorkommen. Ein Unfall, eine Katastrophe, ein Naturschauspiel oder ähnliches sind für sich genommen keine Geschehnisse für eine Kurzgeschichte. Erst darin handelnde Menschen können dieses liefern. Sonst würden sogar Bedienungsanleitungen unter den Begriff der Kurzprosa fallen.

Der Schriftsteller, der sein Handwerk versteht, beschränkt sich in einer Kurzgeschichte auf nur ein solches Geschehnis. Voneinander unabhängige parallele Handlungsstränge sind ein Element des Romans – in einer Kurzgeschichte haben sie nichts zu suchen. Natürlich besteht die Möglichkeit, mit kleinen Nebenhandlungen auch in der Kurzgeschichte zu arbeiten. Tun Sie das aber nur, wenn diese unbedingt nötig sind und die Geschichte auch weiter bringen. Im Zweifelsfall verzichten Sie lieber auf Nebenhandlungen. Sie sind in der Kurzgeschichte eine große Herausforderung, an der sogar Könner gelegentlich scheitern.