Hatten Sie auch schon potenzielle Kunden, die ein Projekt mit einem Arbeitsaufwand von etwa einem Jahr bei Ihnen in Auftrag geben wollten, sich dann aber wunderten, dass Sie dafür mehr haben wollen, als einen schlechten Monatslohn? Es gibt sie – und wahrscheinlich können viele Einzelunternehmer ein Lied von ihnen singen.

Iich werde mit diesem Text nichts ändern, vielleicht schade ich mir damit sogar etwas, wenn ich meinem Unmut über diesen stupiden Billigwahn wieder einmal etwas Luft mache. Man möge mir verzeihen, dass mir momentan gerade wieder etwas die Lust vergeht, tageweise Anfragen zu beantworten und Buchprojekte zu besprechen, von Leuten, die nicht die geringste Vorstellung davon haben, dass ein Buch zu schreiben sehr viel Arbeit ist, und dass das auch eine Kleinigkeit kosten könnte. In Zeiten, in denen die Menschen alles ihren Smartphones überlassen, ist mein Wunsch nach einem kleinen Bisschen Hausverstand für viele wahrscheinlich zu viel verlangt. Über die große Kunst, keinesfalls selber nachzudenken.

Als Ghostwriter schreibe ich Bücher für meine Auftraggeber. Dass die meisten Menschen nicht die leiseste Vorstellung von der Arbeit eines Schriftstellers und dem Arbeitsaufwand, der hinter einem fertigen Manuskript steckt, haben, ist mir klar, diesbezüglich mache ich mir längst keine Illusionen mehr. Glauben Sie mir an dieser Stelle bitte einfach: Es ist sehr viel Arbeit. So etwas schafft auch ein sehr erfahrener Autor nicht in ein paar Tagen nebenbei. Wir sprechen hier von sechs bis zwölf Monate Vollzeitarbeit für ein durchschnittliches Buch – je nach Komplexität und Umfang. Wer mir das nicht glaubt, den lade ich herzlich ein, es einfach selbst einmal zu versuchen. Vielleicht gibt es dafür ja sogar eine „App“ für Smartphones, was das angeht, wundert mich wirklich nichts mehr.

Sind wir uns also einig, dass ein brauchbares Manuskript eines Buches für den Autor zwischen sechs und zwölf Monaten Vollzeitarbeit bedeutet? Wenn ja, dann können wir einen Schritt weiter gehen und abschätzen, was das wohl ungefähr kosten dürfte, diese Arbeit an einen Profi zu übergeben. Auch dieser arbeitet in etwa so lange an einem Manuskript – der eigentliche Unterschied liegt im Endergebnis. Was werden sechs bis zwölf Monate Vollzeitarbeit eines Profis also kosten? Nur eine Größenordnung, damit die Überraschung nach der Antwort auf die Anfrage nicht dermaßen groß ist, dass man vom potenziellen Kunden nie mehr etwas hört. Wie wäre es damit: Sehr wahrscheinlich verrechnet der Ghostwriter für jeden Monat Vollzeitarbeit auch einen Brutto-Monatslohn? Klingt das nicht irgendwie plausibel?

Wie hoch ist denn nun so ein Brutto-Monatslohn, werden sich viele fragen. Natürlich werden die verschiedenen Anbieter hier unterschiedliche Beträge ansetzen, aber auch das lässt sich ungefähr abschätzen, wenn es nur darum geht, dass der potenzielle Autor eine Größenordnung vor Augen hat. Ghostwriter sind Textprofis. Die meisten von Ihnen arbeiten also garantiert für Honorare über dem Existenzminimum. Andererseits werden nur die wenigsten Ghostwriter Managergehälter als Kalkulationsbasis verwenden. Wie wäre es also einfach mit einem durchschnittlichen Brutto-Monatsgehalt? Ist es denn tatsächlich so schwer zu verstehen, dass ein Profi ein komplettes Buch mit vielen Monaten Arbeitsaufwand nicht um 2.000 Euro schreiben kann?

Mir ist klar, sechs bis zwölf durchschnittliche Brutto-Monatsgehälter sind eine ganze Menge Geld und nicht jeder kann sich das leisten. Aber muss es sich denn jeder leisten können? Meiner Ansicht nach stellt sich diese Frage überhaupt nicht. Schließlich fragt auch nicht jeder Student beim Autohändler nebenan ein Mercedes-Cabriolet an, weil der denkt, dass müsse doch unter 1.000 Euro zu haben sein. Ein Monat Arbeit kostet einen Brutto-Monatslohn. Punkt. Ist das bei Ihnen anders? Ich hoffe nicht, in Ihrem eigenen Interesse.