Keiner von uns bezahlt gerne viel für eine Dienstleistung, am liebsten hätten wir alles geschenkt. Eine Methode, um an ein günstiges Angebot zu kommen, die mir in letzter Zeit immer häufiger auffällt, besteht darin, das Projekt klein zu reden und in den benötigten Leistungen einfach etwas zu untertreiben. Tun Sie das bitte nicht – damit verschwenden Sie nur Ihre und meine wertvolle Zeit.

Iin der Regel sehen solche Anfragen so aus, dass potenzielle Autoren mir erklären, sie benötigen „Unterstützung bei der Fertigstellung“ ihres Buches, eine Rohfassung bestünde bereits. Damit suggeriert der potenzielle Autor bei mir, dass der größte Teil der Arbeit bereits getan ist, dass er sein Buch geschrieben hat und es nun um die Überarbeitung und den Feinschliff geht. Als erstes hinterfrage ich den Begriff der „Unterstützung“ – möchte der Autor meine Beratung und diese in seinen Überarbeitungen dann selbst umsetzen, oder möchte er, dass ich sein Baby übernehme?

So oder so benötige ich dazu seine Rohfassung und das ist normalerweise auch der Zeitpunkt, bei dem das Kartenhaus dieser kleinen Mogelei in sich zusammenstürzt. In neun von zehn Fällen stellt sich heraus, dass diese angebliche „Rohfassung“ kaum mehr als eine wenig strukturierte Stoffsammlung ist, also keineswegs die erste Fassung eines Buches, und damit von der „Fertigstellung“ noch Lichtjahre entfernt. Und das ist noch der bessere Fall – oft genug haben solche Autoren, die „Unterstützung bei der Fertigstellung“ ihres Buches anfragen, noch überhaupt nichts gemacht.

Ich fühle mich ein wenig verarscht und alle bisher investierte Zeit war umsonst. Was der Autor tatsächlich braucht, ist ein Ghostwriter, der sein Buch komplett schreibt. Doch das kostet nun einmal Geld, da nützt auch das Kleinreden eines Projektes nichts. Ich glaube nicht, dass der Begriff der „Rohfassung“ so schwer verständlich und leicht mit einer groben Stoffsammlung zu verwechseln ist – jedenfalls sollte er das für einen angehenden Autor, der ernsthaft überlegt, ein eigenes Buch zu schreiben, nicht sein. Die Rohfassung ist eine fertig ausformulierte erste Fassung eines Buches, keine Stoffsammlung und kein Zettel voller Notizen. Punkt.

Normalerweise wird aus solchen Anfragen nichts. Der potenzielle Autor kann es sich offensichtlich nicht leisten und ich halte es für keine gute Basis einer langen und intensiven Zusammenarbeit, wenn jemand schon bei der Anfrage versucht, mich über den Tisch zu ziehen. Ich breche die Gespräche ab und verbuche sie unter „vergeudete Zeit“. Tun Sie das also bitte nicht, es funktioniert nicht – und sehr wahrscheinlich haben wir beide besseres zu tun. Ich jedenfalls schon.