Wer sich zum Thema Bücher schreiben etwas umhört, könnte schnell zu dem Schluss kommen, jeder schreibt Bücher, nichts leichter als das. Na ja, fast jeder oder zumindest sehr, sehr viele. Tatsache ist aber, die meisten davon reden nur gerne darüber, ein Buch zu schreiben, irgendwann, es bleibt jedoch ein frommer Wunsch. Hinter einem veröffentlichten Buch steckt sehr viel harte Arbeit.

Wwenn ich solchen Menschen zuhöre oder ihre Beiträge im Internet lese, bekomme ich schnell den Eindruck, ihrer Meinung nach wäre mit der Idee für ein Buch der größte Teil der Arbeit bereits getan, man müsse es dann eben nur noch schnell niederschreiben und an einen Verlag schicken, fertig. In solchen Fällen bin ich emotional stets etwas hin und her gerissen, zwischen amüsiert und verärgert, darüber, wie naiv manche Menschen doch sein können. Noch einmal: Ein Buch zu schreiben ist sehr viel harte Arbeit. Eine gute Idee ist zwar Grundvoraussetzung, damit ist aber noch gar nichts gemacht. Möchte jemand wirklich ernsthaft ein Buch veröffentlichen und nicht nur darüber reden, dann geht es jetzt erst richtig los.

Wie bereits gesagt, die Idee ist Grundvoraussetzung für alles. Es ist allerdings nicht so, dass alle früheren Schriftsteller (und davon gibt es einige) nur Schwachköpfe waren, die selbst keine guten Ideen hatten. Als erstes gilt es für den angehenden Schriftsteller also festzustellen, ob es nicht genau diese Idee bereits als Buch gibt – die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß. Dazu ist es unumgänglich, das der angehende Schriftsteller sehr viel liest, zumindest im Genre, in dem er selbst gerne schreiben möchte. Er braucht einen guten Überblick, daran führt kein Weg vorbei, tut mir leid. Wenn Sie nicht bereit sind und auch Spaß daran haben, jede freie Minute zu lesen, dann vergessen Sie das mit dem Schreiben besser.

Als nächstes kommt die konkrete Planung des künftigen Buches, das so genannte „Plotten“. Jeder Autor macht das anders, ganz nach seinen persönlichen Bedürfnissen, aber mit einer guten Idee alleine wird kaum jemand Hunderte von Seiten füllen, die den Leser fesseln und ihn Zeit und Raum um sich herum vergessen lassen. Das ist etwas schwieriger, als es vielleicht klingen mag, dahinter steckt ein gutes Konzept, ein ausgefeilter Spannungsbogen, lebendige Charaktere und deren Entwicklung, eben eine Geschichte, die durch und durch funktioniert. Nur sehr wenige Schriftsteller können das aus dem Stegreif, die meisten investieren viele Stunden harter Arbeit in diese Planungsschritte.

Nach dem Plotten folgt die eigentliche Manuskriptarbeit – der Teil der Arbeit, den Laien meinen, wenn sie von „ein Buch schreiben“ sprechen. Der Schriftsteller setzt sich an seinen Schreibtisch und beginnt damit, sein Konzept in Prosa zu gießen. Er beginnt damit, die Rohfassung zu schreiben, und richtig, auch das ist harte Arbeit. Um ein Hunderte von Seiten schweres Manuskript zu schreiben, darf er nicht nur dann schreiben, wenn er gerade Lust dazu hat und die Worte ganz von selber fließen. Das tun sie übrigens nie, vergessen Sie es. Es gibt schwierigere und leichtere Phasen, und durch diese muss der Autor durch, er muss schreiben, und zwar täglich. Das ist Arbeit.

Wer das durchgehalten hat, ist einen großen Schritt weiter und hält die Rohfassung seines Buches in den Händen. Er hat es aber noch längst nicht geschafft, denn es liegt noch eine ganze Menge Arbeit vor unserem Schriftsteller und noch einige Schwierigkeiten sind zu bewältigen. Als nächstes kommen die Überarbeitungen, und ja, Plural, Überarbeitungen. Die Zeiten, in denen Verlage Rohfassungen kauften und diese im eigenen Lektorat in eine druckreife Form brachten, sind längst vorbei. Wer ernsthaft einen Verlag finden möchte, braucht nicht nur eine gute Geschichte, er muss diese auch so druckreif wie nur irgend möglich abliefern. Verlage machen nicht mehr die Arbeit des Schriftstellers. Ausgehend von der Rohfassung schreibt der Schriftsteller nun also Neufassungen, mindestens zwei, manchmal drei. Das ist die Phase, in der man als Schriftsteller das verdammte Ding oft schon nicht mehr sehen kann, große Passagen kann man beinahe auswendig aufsagen.

Um diesen Schritt sinnvoll bewältigen zu können, muss sich der Autor gerne und ausgiebig mit Sprache und Grammatik beschäftigen, idealerweise hat er das längst getan und beherrscht sein Handwerkszeug. Wem das ein Dorn im Auge ist und wer dabei nur mit Grauen und Entsetzen an den Deutschunterricht in seiner Schulzeit zurückdenkt, sollte sich ernsthaft Gedanken darüber machen, ob ein Buch zu schreiben das richtige Vorhaben für ihn ist. Bücher bestehen aus Sprache – aus guter und richtiger Sprache.

Dann dreht sich alles darum, einen Verlag zu finden, bei Zigtausenden jährlich unverlangt eingesandten Manuskripten keine leichte Aufgabe. Wenn Sie auch der Meinung sind, sie müssten Ihr Manuskript nur an einen Verlag schicken und die Sache wäre damit erledigt, vergessen Sie es. Mit einem Literaturagenten können Sie sich diesen Schritt etwas erleichtern, wenn auch nur unwesentlich, denn auch einen Agenten müssen Sie erst einmal finden. So oder so, als nächstes brauchen Sie als Schriftsteller die Verlagsunterlagen für Ihr Buch. Das sind Ihre Verkaufsunterlagen, für die Sie sich (hoffentlich) eine ganze Menge Gedanken und Arbeit gemacht haben.

Ist ein Verlag gefunden, ist die Arbeit für den Schriftsteller damit noch längst nicht vorbei. Es folgen weitere Überarbeitungen in Zusammenarbeit mit dem Lektor bevor das Buch in Druck gehen kann. Auch wenn der Verlag sehr viel der weiteren Arbeiten und das komplette finanzielle Risiko übernimmt, ist die Sache für den Schriftsteller damit noch nicht erledigt. Seine weiteren Aufgaben äußern sich in zusätzlichem Marketing und in Lesungen. Das Buch ist jetzt zwar geschrieben und in den Buchhandlungen erhältlich, doch wird es niemand kaufen, der nichts von dessen Existenz weiß.

Die Alternative ist ein Eigenverlag, der hinsichtlich Aufwand für den Autor häufig genauso naiv unterschätzt wird, wie das Schreiben eines Buches selbst. Im Eigenverlag übernimmt der selbst verlegende Schriftsteller alle Aufgaben des Verlages und das komplette finanzielle Risiko selbst. Zudem entfällt der Verlag als Filter für geschriebenen Müll, den die Welt nicht braucht, das ist der Grund, weshalb so viel literarischer Schrott im Eigenverlag veröffentlicht wird.

Ich möchte niemandem ausreden, ein eigenes Buch zu schreiben, ganz im Gegenteil. Seien Sie aber bitte nicht so naiv, das für eine Kleinigkeit zu halten. Ein Buch ist ein sehr großes und überaus arbeitsintensives Projekt. Die Erfolgsaussichten sind mäßig und reich werden Sie damit sehr wahrscheinlich nicht. Es ist ein langer und steiniger Weg für den ein Schriftsteller sehr viel Idealismus und Leidenschaft für seine Arbeit braucht. Die Zeit, einfach mal so nebenbei ein Buch schreiben zu wollen, wenn gerade nichts im Fernsehen läuft, das Sie mehr interessiert, können Sie sich sparen, das wird nichts. An einem Buch werden Sie lange und hart arbeiten. Sie brauchen Leidenschaft für Geschichten, Sprache, Grammatik, Wortschatz und Stil (von wegen „schreiben kann doch jeder“). Und Sie müssen davon begeistert sein, wenn Sie nicht gerade schreiben, jede freie Minute zu lesen. Wenn das etwas für Sie ist, willkommen im Klub. Wenn nicht, ist das aber auch nicht weiter tragisch – es muss schließlich nicht jeder Bücher schreiben.