Die Schriftstellerin Bobbi Anderson stolpert im Wald über etwas Eigenartiges, das aus dem Boden heraus ragt und sie fasziniert. Sie beschließt, es auszugraben. Nach und nach beginnen sich die Menschen der Umgebung auf unheimliche Art zu verändern und das Grauen hält Einzug in die Kleinstadt Haven.

Ddas Monstrum („Tommyknockers“ im Originaltitel) ist bestimmt nicht der beste Roman von Stephen King, so schlecht, wie er in vielen Rezensionen dargestellt und dabei regelrecht in der Luft zerrissen wird, ist er aber zumindest meiner Ansicht nach auch wieder nicht. Auch wenn die Geschichte und ihr weiterer Verlauf bis hin zur Auflösung mehr als grotesk ist, hat sie mich doch gut unterhalten – und ist das nicht der Sinn einer Geschichte? Stephen King hat einen etwas schrägen Sinn für Humor, den man entweder mag oder nicht – ich mag ihn. Wer diesen Roman zu ernst nimmt, wird ihn wahrscheinlich nicht mögen und spätestens bei der Szene, in der ein schwebender Getränkeautomat einen Reporter verfolgt und tötet, das Buch für immer schließen und zur Seite legen. Das ist in Ordnung, dieser Leser würde auch bei einem gefährlichen Staubsauger, der den Protagonisten verfolgt und den vielen explodierenden Gehirnen nur verständnislos den Kopf schütteln. Mit Recht, wie gesagt, wenn Sie nicht über eine ausreichende Menge ziemlich schrägen Humors verfügen, werden Sie dieses Buch wahrscheinlich nicht mögen.

Wie geht es also weiter? Bobbi Anderson beginnt dieses Ding auszugraben und schnell steht fest, es ist wesentlich größer als anfangs angenommen, es scheint auf irgendeine Art lebendig zu sein und es ist nicht von dieser Welt. Bobbi erhält Unterstützung von ihrem alten Freund, dem Dichter Jim Gardener, der schwerer Alkoholiker ist. Stephen King hat diesen Roman zu einer Zeit geschrieben, in der er selbst unter seiner eigenen Alkohol- und Drogensucht litt und ich glaube, dass er besonders in diesem Buch (in anderen auch, aber hier ganz besonders) gegen seine eigenen Dämonen kämpft.

Bobbi und ihr alter Freund „Gard“ graben dieses Ding also immer weiter aus und leisten dabei Übermenschliches. Die Welt um sie herum und auch sie selbst, beginnen sich auf eine bösartige Weise zu verändern, auch Bobbi verändert sich, während Gard, der aufgrund einer Kriegsverletzung eine Metallplatte im Kopf hat, gegen diese Veränderungen immun zu sein scheint. Sein Problem ist der Alkohol. Die Aufgabe des Schriftstellers ist es bei so einem Werk, die Welt seiner Geschichte gehörig in Unordnung, die Kacke so richtig zum Dampfen zu bringen – darin ist Stephen King, egal ob Alkohol- und Drogensucht ja oder nein, ungeschlagener Meister. In der Kleinstadt Haven gerät so ziemlich alles aus den Fugen was man sich vorstellen kann oder auch nicht. Vielleicht übertreibt er es in dieser Geschichte damit ein bisschen, das ist eine Geschmacksfrage – und ich maße es mir nicht an, Stephen King, den meistgelesenen Horrorschriftsteller aller Zeiten, zu kritisieren. Für jeden, der solche Geschichten mag und damit liebäugelt, selbst welche zu schreiben, ist es aber auf jeden Fall interessant, wie er das tut.

Genauso ist es mit der Auflösung. Liest man einen solchen Roman mit den Augen eines Schriftstellers, dann fragt man sich spätestens ab der Hälfte, wie um Himmels Willen will der Verfasser dieses Chaos, das er bisher angerichtet hat, je wieder in Ordnung bringen? Sie können als Schriftsteller Ihre Leser ja schließlich nicht in ein Desaster führen und sie dann dort im Stich lassen, ohne es halbwegs sinnvoll wieder aufzulösen. Beispielsweise bei einem Krimi ist das noch vergleichsweise einfach, wenn die Protagonisten den Täter dingfest gemacht haben, ist die Sache geritzt und für den Schriftsteller ist die Arbeit getan. Was aber, wenn Sie als Schriftsteller eine ganze Stadt ins Chaos gestürzt haben? Irgendwie müssen Sie aus der Sache ja wieder raus.

Auch dafür ist Stephen King bekannt, denn auch seine Auflösungen sind oft etwas unorthodox. So auch in „Das Monstrum – Tommyknockers“. Auch diese Auflösung ist bestimmt nicht seine beste, aber sie ist passend grotesk zum Rest des Buches. Ich möchte hier nicht zu viel verraten, aber wenn Sie gemeingefährliche Haushaltsgeräte und explodierende Gehirne nicht abschrecken, lassen Sie sich doch einfach überraschen.