Ganz im Gegensatz zu vielen anders lautenden Aussagen kann man vom Schreiben leben. Gerade das Internet hat uns dazu eine breite Palette an Möglichkeiten beschert. Doch zwei Dinge sind mir in diesem Zusammenhang überaus wichtig: Es ist kein leicht verdientes Geld und längst nicht jeder kann tatsächlich schreiben.

Iich schreibe seit Jahren hauptberuflich, was schon seit sehr, sehr vielen Jahren mein größter Traum ist. Diesen lasse ich mir von niemandem kaputt reden. Nicht von Dilettanten in Blogs und Schreibforen und nicht von Studenten, die gerne Journalisten wären und für nichts arbeiten, von niemandem. Ich lebe vom Schreiben. Es ist kein leicht verdientes Geld und ich bin weit davon entfernt, reich zu sein, aber es macht mir Spaß zu schreiben und ich kann davon leben. Wer als Neuling mit dem Schreiben beginnen möchte, mit dem einzigen Ziel, damit schnell reich zu werden, der hat vieles noch nicht so recht verstanden. Vergessen Sie es. Schreiben ist harte Arbeit, benötigt sehr viel Zeit und noch viel mehr Leidenschaft – und auch eine gewisse Begabung. So leid es mir tut, aber es kann einfach nicht jeder schreiben, noch dazu ohne jede Übung und Erfahrung. Wieso glauben das so viele? Selbst um eine vernünftige Mauer zu bauen oder einen Tisch zu zimmern, müsste ich eine Ausbildung machen oder mir die nötigen Fähigkeiten selbst aneignen. Das sieht noch jeder ein, aber schreiben kann doch jeder. So ist es aber nicht.

Beruflich bekomme ich häufig Zuschriften von Leuten, die sich für die neuen Sterne am Literaturhimmel halten, deren Manuskript ihres „Bestsellers“ nur noch einen „Feinschliff“ benötigt, was auch der Grund für die Kontaktaufnahme ist. Wenn ich mir die Texte dann ansehe, komme ich (nicht immer aber relativ oft) zu dem Schluss, das klingt wie ein Schulaufsatz, der zu meiner Schulzeit nicht für eine positive Beurteilung ausgereicht hätte. Jeder kann Worte zu Papier bringen, aber längst nicht jeder kann schreiben. Ich kenne keinen anderen Berufszweig, bei dem das Unterschätzen der Anforderungen bei gleichzeitiger Selbstüberschätzung dermaßen groß und weit verbreitet ist. Jeder Student, jede Hausfrau, jeder Rentner und jeder Langzeitarbeitslose (um nur ein paar davon zu nennen) sieht sich ganz selbstverständlich in der Rolle als erfolgreicher Journalist oder gar als Bestsellerautor. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, da draußen sind viele talentierte Autoren, allerdings ist nicht jeder, der eine Tastatur bedienen kann, deswegen gleich ein talentierter Autor. Gerade im Internet könnte man doch viel eher glauben, es mit lauter Analphabeten zu tun zu haben, die weder in der Lage sind, einen vernünftigen Kommentar noch ein halbwegs lesbares, geschweige denn sprachlich richtiges E-Mail zu verfassen. Das ist kein Problem, denn jeder hat andere Talente, aber solche Leute sind nun einmal einfach keine Schriftsteller. Eigentlich hatte ich nicht vor, mich darüber in diesem Ausmaß auszulassen, aber gut, so ist es nun einmal.

Vom Schreiben leben ist das Thema. Da mein Schwerpunkt das Schreiben von Büchern ist, möchte ich mich in meinen Aussagen auch darauf konzentrieren. In zahllosen Schriftstellerforen und Blogs tummeln sich die Leute (Schriftsteller?), die sich zum Thema Bücher schreiben auslassen. Man könnte beinahe glauben, fast jeder schreibt nebenbei Bücher, selbstverständlich nur Bestseller. Oft führen diese Diskussionen aber dazu, dass mir alle (wirklich alle!) Haare zu Berge stehen. Angefangen von Möchtegern-Fantasyautoren, denen die Ideen fehlen, Ihre Figuren zu entwickeln (das ist wirklich perfekt im Genre Fantasy), über Zwölfjährige, die Liebesromane schreiben wollen (gütiger Himmel!), bis hin zu „Schriftstellern“, deren einzige Sorge das Computerprogramm zu sein scheint, mit dem sie schreiben (Als ob ein gutes Buch nur von der Software abhinge, mit dem es geschrieben wird. Wenn Sie schreiben können, reicht ein gewöhnlicher Editor, wenn nicht, dann hilft Ihnen auch das ausgeklügeltste Programm nichts.), ist alles dabei. Am schlimmsten finde ich jedoch diejenigen, die im Zusammenhang mit dem Schreiben von Büchern von leicht verdientem und schnellem Geld sprechen. Meistens geht es dabei um diese schrottigen E-Books, die heute jeder glaubt veröffentlichen zu müssen. Häufig dreht sich die Diskussion dabei einzig und alleine darum, über welche Kanäle das verdammte Ding am besten publiziert und beworben werden könnte, um damit möglichst schnell möglichst viel Geld zu lukrieren. Man diskutiert über die Möglichkeiten eines Selbstverlages und tauscht allen möglichen und unmöglichen Schwachsinn darüber aus, beispielsweise ob dafür eine Gewerbeberechtigung erforderlich ist oder nicht. Nur sehr selten geht es dabei um das eigentliche Schreiben des Buches, denn das kann ja schließlich jeder. Menschen wie mir, die Bücher lieben, tut so etwas einfach nur weh. Man ertappt sich bei dem Wunsch, dass solche Dummheit doch eigentlich körperliche Schmerzen verursachen sollte. Die Verfasser stellen Kalkulationen auf (oft falsch), welche Einnahmen sie mit ihrem Buch erwirtschaften müssen, um davon leben zu können, ganz nach dem Motto: „Ich schreibe jetzt eben mal schnell ein Buch, lehne mich dann zurück und lebe davon“. Das ist hanebüchener Unsinn! Wer nicht schreibt, um des Schreibens willen, weil er das Talent dafür geschenkt bekommen hat und es ihm einfach Spaß macht, wer nicht mit dem nächsten Buch beginnen möchte, sobald das letzte fertig ist, der sollte gleich die Finger davon lassen, er wird nicht davon leben können, schon gar nicht von irgendwelchen fragwürdigen E-Books, bei denen nur eine möglichst schnelle und billige Produktion bei gleichzeitig möglichst hohem Profit im Vordergrund steht. Das ist einfach nicht der Sinn eines Buches und wir Leser nehmen es Autoren in der Regel sehr übel, wenn wir das Gefühl bekommen, dass uns da jemand verarschen will.

Gute Bücher zu schreiben braucht sehr viel Idealismus und handwerkliches Können – beides hat die Sorte „Schriftsteller“ nicht, die sich als erstes Gedanken über den Absatz ihrer „Bücher“ macht. Man kann vom Schreiben leben, sofern man denn tatsächlich schreiben kann und der lesenden Bevölkerung nicht irgend einen billigen halbherzigen Schrott, entstanden ohne jedes Herzblut, vorsetzt und als „Buch“ verkaufen möchte. Gute Bücher zu schreiben ist eine Kunst und wird es auch immer bleiben. Niemand macht das mal so nebenbei und wird ohne jede Anstrengung damit reich. Wer das glaubt, hält wahrscheinlich alle erfolgreichen Schriftsteller für ausgemachte Idioten, die nur das tun, was sowieso jeder kann. So ist es aber nicht und das ist mehr als nur gut so.


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