Menschen melden sich bei mir, weil sie gerne hätten, dass ich aus ihrer Geschichte ein Buch für sie schreibe. Nicht selten unterliegen sie dabei aber völlig falschen Vorstellungen bezüglich der Möglichkeiten, der Hintergründe, der Veröffentlichung und nicht zuletzt der Finanzierung.

Sschon alleine ein Buch zu schreiben, dass eine gewisse Leserschaft anspricht, ist ein überaus anspruchsvolles Vorhaben, das den Autor vor einige Herausforderungen stellt. Dann kommen noch die Gegebenheiten im Verlagswesen und generell im Buchmarkt hinzu, die jemand, der sich nicht schon ausführlich damit beschäftigt hat, einfach nicht kennen kann. Anhand eines konkreten Beispiels möchte ich Ihnen nun ein paar dieser falschen Vorstellungen aufzeigen und erklären. Die unten zitierte Nachricht habe ich von einem Interessenten tatsächlich so erhalten und sie nur soweit verändert, dass der Absender nicht mehr erkennbar ist.

Sehr geehrter Herr Peter,

danke für die rasche Antwort!

Ich dachte an einen Roman der die Geschichte beinhaltet, so unter dem Motto, … nach einer wahren Begebenheit … ca. 250 Seiten, was die Geschichte eben hergibt, um noch interessant zu bleiben. Bei der Seitenanzahl würde mich das Manuskript allein schon 20.000 Euro kosten. Der Verlag will sicher mehr, dazu die Vermarktung mit PR. Dazu bräuchte es eine riesige Auflage und einen reißenden Absatz um auch noch was zu verdienen. Ich denke das die Vorfinanzierung dieser Story viel Geld verschlingt, das ich nicht habe. Hinzu kommt das Risiko, dass vielleicht kein Verlag dieses Buch interessant genug findet. Das kommt einer Aktienspekulation gleich mit hohem Risiko. Ich denke ich lasse die Story in meinem Kopf. Danke für ihr Bemühen. […]

Warum ein Roman?

Im konkreten Fall ging es um eine Krankengeschichte. Das ist ein allseits sehr beliebtes Thema, sehr viele Menschen scheinen das Bedürfnis zu haben, aus ihren Krankheiten Bücher zu machen. Die Frage, die sich mir hier jedoch immer stellt ist, wollen Leser ihre Zeit tatsächlich mit so viel Krankheit und Krankenhausaufenthalten verbringen? Was ich damit sagen will, sicher ist eine (schwere) Krankheit für den Betroffenen ein einschneidendes Erlebnis, aber gibt es für die vielen Krankenbücher auch eine Leserschaft? Ich weiß es nicht, und darum geht es jetzt aber auch gar nicht.

Die Frage, die sich mir an dieser Stelle außerdem stellt ist, warum muss es ein Roman sein? Aus Erfahrung kann ich sagen, dass gerade Privatpersonen gerne dazu tendieren, aus allem einen Roman machen zu wollen. Nach Lyrik sind Romane die Gattung an Büchern, für die sich am schwersten ein Verlag finden lässt – das ist mit Sachbüchern oder Ratgebern wesentlich einfacher, und auch in diesen kann schließlich ein großer Anteil persönlicher Geschichte enthalten sein. Tatsache ist aber, ein Roman dient der Unterhaltung des Lesers, ein Sachbuch oder ein Ratgeber hilft ihm in gewissen Lebenssituationen mit echten Erfahrungen weiter. Kaufe ich so ein Krankheitsbuch als Leser nun weil ich mich mit der Krankheit des Autors unterhalten möchte (Roman) oder weil ich auf der Suche nach Erfahrungen bin, die mir vielleicht weiter helfen (Sachbuch, Ratgeber)? Ich persönlich bin der Meinung, dass der Autor sich und seinen Lesern einen großen Gefallen damit tut, nicht aus allem einen Roman machen zu wollen. Nichts gegen Romane, ich liebe gute Romane, aber nicht aus jeder Geschichte lässt sich ein guter Roman machen.

Stimmt, sich ein ganzes Buch schreiben zu lassen, kostet Geld

Die nächste völlig falsche Vorstellung, die leider sehr weit verbreitet ist, ist jene, dass es in den Köpfen der Menschen offenbar kein sehr großer Aufwand zu sein scheint, mal eben ein Buch mit 250 Seiten zu schreiben. Das ist es aber sehr wohl, wir sprechen hier über sehr anspruchsvolle Projekte mit hohen Anforderungen an den Ghostwriter über mehrere Monate als Vollzeitarbeit. Das ist nichts für die Portokasse, tut mir leid.

Ist die Seitenzahl halbwegs realistisch?

Manche Autoren wollen ihrem Buch mehr Gewicht verleihen, indem sie ihm eine möglichst hohe Seitenzahl verpassen. Das ist nicht ganz falsch, denn aus physikalischer Sicht tun sie das ja sogar – nicht jedoch aus literarischer Sicht. Wenn Ihre Geschichte gut ist, aber nun einmal nicht mehr als 150 Seiten hergibt, möchte ich Ihnen ganz entschieden davon abraten, sie trotzdem auf 250 Seiten auszuwalzen, nur um ein dickeres Buch zu haben.

Ghostwriter kalkulieren mit Seitenpreisen. Jede Seite kostet Geld. Wenn Sie das, was Sie Ihren Lesern sagen möchten, auf 150 Seiten unterbringen können, empfehle ich, das auch zu tun. Jede unnötige Seite kostet unnötig Geld und langweilt den Leser vielleicht sogar unnötig. Eine Geschichte wird nicht besser, nur weil sie länger ist. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe lange Bücher – aber nur, wenn der Autor es schafft, mich über Hunderte von Seiten im Banne seiner Geschichte festzuhalten.

Ein „richtiger“ Verlag verlangt kein Geld von seinen Autoren

Die Sache läuft so: Der Verlag kauft das Manuskript vom Autor und veröffentlicht dieses. Folglich bekommt der Autor Geld vom Verlag und nicht umgekehrt. Zudem geht der Verlag noch in Vorleistung und finanziert das Lektorat, den Satz, den Druck und das Marketing des Buches – er übernimmt also das komplette wirtschaftliche Risiko. Deswegen ist es auch so schwer, einen Verlag zu finden, denn diese kaufen nur Manuskripte, denen sie eine realistische Chance am Buchmarkt unterstellen – niemand möchte sich gerne selbst ruinieren, auch Verlage nicht. Auf den Punkt gebracht: Ihr Verlag (sofern Sie denn einen finden) bezahlt Sie, nicht umgekehrt.

Ich weiß, es gibt auch Verlage, die eine Kostenbeteiligung des Autors verlangen. Hier funktioniert das etwas anders. Das Abwägen der Marktchancen eines Buches fällt hier erheblich geringer aus weil das wirtschaftliche Risiko ja nicht der Verlag trägt, sondern der Autor. Dafür ist es wesentlich einfacher, einen solchen Verlag für sein Buch zu finden. Sofern sich der Autor bewusst ist, worauf er sich einlässt, halte ich das durchaus für legitim, wobei ich an dieser Stelle einen Eigenverlag bevorzugen würde. Das ist aber Geschmackssache.

Achtung: Risiko!

Was im Leben ist ohne Risiko? Ich halte es nicht für optimal, wenn ein Autor sein Buch als rein wirtschaftliches Projekt sieht, spätestens im Verlagswesen und auf dem Buchmarkt ist es das aber. Mir gefällt der Vergleich mit dem Aktienmarkt in der oben zitierten Nachricht, weshalb ich diesen kurz aufgreifen möchte. Angenommen ich hätte mich noch nie im Leben mit dem Thema Aktien beschäftigt, möchte nun aber aus unerfindlichen Gründen eine Aktie kaufen und tue das auch. Ich kaufe irgendeine Aktie, deren Name mir gut gefällt oder deren Wertpapierkennnummer meine Lieblingszahl oder vielleicht sogar meine Glückszahl ist. Perfekt. Das Risiko ist aber auch gigantisch.

So ähnlich verhält es sich mit einem Autor, der ein Buch schreibt, dessen Genre er nicht kennt. Er weiß nicht, was schon geschrieben wurde, was davon erfolgreich war und was nicht. Vielleicht liest er solche Bücher nicht einmal selbst. Das ist so ein Schuss ins Blaue wie der obige Aktienkauf.

Nehmen wir jetzt aber an, ich hätte eine gewisse Ahnung von Aktien grundsätzlich und beschäftige mich gerne und interessiert mit einer speziellen Branche. Ich weiß, welche Firmen in dieser Branche gelistet sind, was sie tun und wie sie es tun. Kaufe ich nun eine solche Aktie, dann besteht natürlich immer noch ein gewisses Risiko, dass ich falsch liege, aber es hält sich in Grenzen.

Ebenso ist es mit dem Autor, der ein Buch schreibt, in dem Genre, das er auch selbst intensiv und leidenschaftlich liest. Er weiß hier, was er tut und das Projekt ist kein Schuss ins Blaue.

Ich höre Sie an dieser Stelle ausrufen: „Aber dass ist doch Ihre Aufgabe als Ghostwriter, mich in solchen Belangen zu beraten. Schließlich sind Sie der Experte in Sachen Bücher!“ Ja und nein, lautet meine Antwort darauf. In den Genres, die ich selbst lese, kann ich das natürlich recht gut. Ich kann aber unmöglich alle Bücher des gesamten Buchmarktes lesen, nur um zu wissen, wann welche Krankheitsgeschichten oder ähnliches veröffentlicht wurde. Das ist Ihre Aufgabe als Autor – Ihr Thema, für das Sie sich hoffentlich selbst ausreichend interessieren, um auch die Bücher der anderen Autoren Ihres Genres zu lesen. Warum sonst sollten Sie ein Buch darüber schreiben wollen, wenn Sie das alles nicht interessiert?

Bücher des Geldes wegen schreiben?

Leider ist Geld verdienen häufig eines der ersten Argumente von Leuten, die mit dem Gedanken spielen, ein Buch zu schreiben. Viel Geld sogar. Massenhaft. Denn natürlich sprechen wir über einen Bestseller.

Ich finde das sehr schade und glaube, wer als Autor nur Bücher schreiben möchte, um damit Geld zu verdienen, der sollte es besser bleiben lassen. Die Sache mit dem Bestseller ist bei Weitem nicht so einfach, wie es vielen vielleicht scheinen mag, es ist schon ein großer Erfolg, überhaupt einen Verlag zu finden, den man als Autor nicht für die Veröffentlichung bezahlt, sondern für das Manuskript bezahlt wird. Unter dem Strich ist es ein recht hartes Geschäft, das sehr viel Wissen und anstrengende Arbeit erfordert. Mal eben schnell ein Buch schreiben und damit reich werden ist eine Illusion. Wenn es Ihnen also nur um das Geld geht, gibt es sehr viele, sehr viel einfachere Möglichkeiten, als Bücher zu schreiben.


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