Kürzlich schrieb ich einen kleinen Beitrag auf meiner Webseite über das Schreiben von Bestsellern. Einfach weil ich es wegen der vielen Anfragen von Leuten, die nach einem Ghostwriter für ihren Bestseller suchen, für nötig hielt. Erst danach googelte ich aus Spaß „einen Bestseller schreiben“. Schauderhaft, einfach nur schauderhaft.

Iich wusste ja schon vorher, dass viele Menschen eine etwas eigenartige Meinung dazu haben, wie diese Sache mit den Bestsellern funktioniert – genau deshalb schrieb ich ja diesen Beitrag auf meiner Webseite. Dass es aber so schlimm ist, hätte ich in meinen kühnsten Albträumen nicht erwartet. Das Internet ist voll mit Seiten, die Ratschläge für Bestsellerautoren geben, mindestens einer davon (ich habe mir diesen Stumpfsinn nicht komplett durchgesehen) veröffentlichte sogar ein Buch darüber, wie man Bestseller schreibt. Angesichts all dieser tollen Tipps wundere ich mich wirklich darüber, weshalb überhaupt noch jemand Bücher schreibt, die nicht auf den Bestsellerlisten landen, wenn es doch so einfach ist und man nur ein paar Ratschläge befolgen muss. Vielleicht liegt es aber auch einfach daran, dass diese Ratschläge bei genauerem Hinsehen gar keine sind – oder dass auf den Seiten, außer in der Überschrift, nirgends mehr die Rede davon ist, wie es denn angeblich funktionieren soll.

Platz 1: „Lernen Sie hier, einen Welt-Bestseller zu schreiben

Im Grunde genommen ist dieser Artikel ganz okay. Allerdings lernt der Leser nirgendwo, einen Welt-Bestseller zu schreiben, darauf wird nicht einmal mehr ansatzweise eingegangen. Es geht um Buchmessen, Bestsellerautoren und dass der englische Sprachraum größer ist als der deutsche. Und jetzt?

Platz 2: „Wie schreibe ich einen Bestseller?

Auch ein im Grunde genommen ganz netter Beitrag mit ganz tollen Tipps wie beispielsweise, dass die Sprache auch zur Figur passen soll, dass sich Romane anders lesen als ein Wikipedia-Eintrag und ein ganz grober Überblick, was es mit der Spannung so auf sich hat. Schön, aber das reicht wahrscheinlich auch nicht für einen Bestseller. Das sind ganz wenige grundlegendste Grundlagen, überhaupt etwas zu schreiben.

Platz 3: „Zehn Tipps für angehende Bestseller-Autoren

Einmal abgesehen vom zehnten Punkt stimme ich mit allen völlig überein und mag den Beitrag irgendwie. Trotzdem sind es zwar ein paar gute Tipps, die jedoch nicht zwangsläufig mit dem Endergebnis Bestseller enden müssen. So einfach ist es nun einmal nicht, so leid es mir tut.

Platz 4: „Die Geheimformel für Bestseller

Selbstverständlich findet man „Geheimformeln“ im Internet – das sagt uns ja schon der Begriff „Geheim“. Wenn Sie den Beitrag durchlesen, werden Sie wahrscheinlich auch feststellen, dass die Autorin auch keine Geheimformel für Bestseller hat, die sie in ihrer Überschrift ankündigt. Vielleicht hält sie diese auch einfach nur geheim.

Platz 5: „Schreiben: Über Nacht zum Bestseller: Wie man ein Bestseller-Buch schreibt – ganz ohne Erfahrung (Profitables Schreiben von Büchern und E-Books)

Das ist der Kollege, der sogar ein ganzes Buch darüber geschrieben haben will, wie man über Nacht und noch dazu ganz ohne Erfahrung einen Bestseller schreibt. Ganz klar, alle, die das nicht schaffen, sind einfach vollkommene Idioten – sie müssten einfach nur dieses Buch lesen. Schauderhaft, einfach nur schauderhaft.

Platz 6: „Experten geben Tipps – so schreibt man einen Bestseller

Auch hier nur ein paar wirklich grundlegende Schreibtipps – von wegen Experten geben Tipps wie man Bestseller schreibt. Wenn Spannung, Humor und Überraschungen bereits „Expertentipps“ zum Bücher schreiben sind, dann ist wohl jeder darin Experte, der schon ein Buch gelesen hat.

Platz 7: „Was macht ein Buch zum Bestseller?

Das ist der erste Beitrag der Liste, bei dem sich mir nicht die Zehennägel einrollen, wie der Deckel einer Fischdose. Der Autor gibt auch keine Anleitung, wie man einen Bestseller schreibt (was all die anderen eigentlich auch nicht tun, es jedoch vorgeben), sondern macht sich Gedanken, was einen Bestseller ausmacht.

Platz 8: „Wie schreibe ich einen Bestseller?

Noch einer, der ein Buch über das Schreiben von Bestsellern geschrieben hat. Er stellte sogar „Untersuchungen“ an und „forschte“. Ich bin mir sicher, das hilft. Vielleicht forschen die meisten Schriftsteller ja einfach zu wenig. Angeblich hat der Autor jetzt jedenfalls das „große Geld“ und jede Menge Ruhm. Kein Kommentar!

Platz 9: „Wie schreibe ich einen Bestseller?

Das ist von Jacqueline Vellguth, deren Blog ich sehr gerne mag. Auch sie kommt in ihrem Beitrag zu dem Schluss, dass es für einen Bestseller einfach kein Patentrezept geben kann. Etwas anderes hätte ich von einer Schriftstellerin auch nie erwartet.

Fazit:

So sehr es sich viele vielleicht wünschen mögen, es gibt kein Patentrezept für Bestseller, auch keine Geheimrezepte oder sonst etwas in der Art. Das ist alles vollkommener Schwachsinn und schade um die Zeit. Warum überhaupt immer dieses Gerede von wegen Bestseller schreiben? Geht es Ihnen wirklich nur ums Geld wenn Sie schreiben? Falls ja, dann fände ich das irgendwie traurig. Ich müsste zwar damit leben, aber es wäre traurig. Schreiben Sie doch einfach einmal Ihr Buch, ein Buch, wie Sie es gerne lesen würden. Vielleicht wird es ja ein Bestseller, vielleicht aber auch nicht. Darum geht es beim Schreiben eigentlich gar nicht.


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